Vom Dunkel ins Licht

 

K(ollege): Was machst du da eigentlich?

I(ch): ich fotografiere den Blick durch die Scheibe, jeden Tag

K: wird das nicht langweilig?

I: (denkt) vermutlich genauso langweilig wie für dich die Bundesliga

I: (überlegt) erzähle ich ihm jetzt was von Axel Hütte z.B.? Hmmm…

I: (laut) nö, bis jetzt nicht

K: ach so.

(Norddeutsche, Smalltalk können sie…)

 

Ok, damit werde ich nicht durchkommen 😉

Also: zweiter Versuch.

Das Büro und mein fotografischer Lebensteil haben normalerweise nicht viel miteinander zu tun.
Klar, manchmal werde ich gebeten, die Bilder für den Konzernausweis oder das Gruppenbild für die XY Karte/Mail für Z. zu machen, denn schliesslich besitze ich ja eine Kamera, die augenscheinlich mehr als so ein Knipsdings ist. Aber ansonsten gilt: „Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps“.

Dennoch: mit unserem Bürogebäude verbindet mich eine langjährige fotografische Freundschaft. Ich habe ihm von der grünen Wiese über den Rohbau bis zur Einweihungsfeier beim Wachsen zugeschaut, habe es bei Wind und Wetter im Werden begleitet (weia…), und jetzt sitze ich oft genug (viel zu oft?) im zwölften Stock an meinem Arbeitsplatz und lasse in den Pausen die Augen schweifen. Fotos sind dabei – vor allem in der ersten Zeit – viele entstanden. Wer vorher jahrelang auf den Angestelltentrakt eines Hotels der unteren Mittelklasse schaute, wo man sich bestenfalls über zum Lüften bzw. Kühlen rausgestellte Schuhe oder Flaschen wundern konnte, hat erstmal etwas nachzuholen, wenn er auf einmal die Qual der Wahl zwischen Skyline, Frankfurter Kreuz, Flughafen, The Squaire, Stadtwald und dem Himmel über uns hat. In „meiner“ Ecke gab es in den letzten Jahren viele spektakuläre Sonnenuntergänge, Sturm und Schnee, mehrfach täglich startende und landende A380 (von allem was da sonst so startet und landet ganz zu schweigen), Staus in alle Richtungen, Feuerwehreinsätze, Polizeikontrollen, S-Bahntunnelbauarbeiten, Kräne im Auf-, Abbau oder Einsatz, Neubauten zu unseren Füssen oder auch nur das tägliche Taxenchaos an einem Grossflughafen zu sehen.

Aber für mein Fotoprojekt suchte ich mir ausgerechnet die am wenigsten überzeugende (um nicht zu sagen „langweiligste“) Ecke aus: den Stadtwald Richtung Industriepark Höchst, je nach Wetter sieht man in der Ferne die Ausläufer des Taunus oder auch nicht. Je nach Jahreszeit und Wetter ist der grösste Teil grün, grau oder braun, nur in der blauen Stunde kommt mal ein wenig mehr Farbigkeit dazu. Im Frühjahr ist das Grün ein wenig aufdringlicher, im Herbst ein wenig bunter. Und das war’s.

Wirklich?