Stille

Der Himmel ist leer, Wolken wie davongelaufene Fussel eines altgeliebten Pullovers, dazwischen schlafanzugblaue unendliche Weiten.

Es regnet Kirschblüten, lautlos breiten sie sich um den Baum herum zu einer Decke aus Licht und Freude aus. Eine Vorahnung auf rotsaftige Sommerlust, sogar die noch gar nicht geborenen Maden freuen sich schon. Und die noch gar nicht geborenen Amseln freuen sich doppelt mit.

Ein Frühlingstag in Gelb Moll mit hellgrünen Sprenkeln, die der Abendwind aufwirbelt, es riecht nach Hoffnung und Erneuerung und Zuversicht.

Im Fernseher bewegen Menschen ihre Münder, ihre Augen schauen ernst und wichtig, „vertraue mir“ singt Ka in meinem Kopf. Die Hände der Menschen im Fernseher flattern manchmal wie die aufgescheuchten Tauben auf dem Balkon, die Münder bewegen sich schnell und schneller, aber anders als bei Pacman sieht man die Geister nicht, die sie fressen wollen.

Die Angst lauert im Keller, nur wenn ich mein Ohr an die Tür presse – was ich natürlich nicht tue - hört man sie dahinter leise mit der Beklemmung wispern und Pläne schmieden.

Der Abend holt seinen Schlafanzug hervor und schaut strafend auf die Uhr. Der Mond ist auf sehr leisen Sohlen herangeklettert und schaut kalkweißlächelnd durch das Fenster. Ansonsten ist der Himmel immer noch leer.