
Selbstportrait
Diessen, letzter Tag
„Ein Selbstportrait“ lautet die Aufgabe.
Komischerweise weiss ich schon beim Losgehen (Macro noch drauf? Alles klar) ziemlich genau wo ich hinwill, nämlich an den Platz wo ich am ersten Morgen bereits kurz gewesen war, also eher weg von Fischerhütten und Netzen und tollem Blick über den See. Probiere ein bisschen herum („nee, das ist es noch nicht, aber im schlimmsten Fall hätte ich ein Bild zum Vorzeigen“) und komme dann an den Pfad, den ich bestimmt am ersten Morgen gesehen, mich aber nicht bewusst erinnert hatte, sehe den Zweig und weiss „das ist es“. Ist mir in dem Moment egal, ob irgendjemand überhaupt erkennt, was ich gemeint habe, oder (viel schlimmer!) ob es am Ende sogar zu deutlich ist. (Schliesslich habe ich ja nicht ohne Grund monatelang ganz vieles mit ganz vielen Ebenen und Photoshop zugekleistert.) Horizont gerade? Wie scharf soll der Hintergrund sein? Wenn ich den Qualitätsbeauftragten – den ich mir ab jetzt übrigens nur noch mit Strickpullunder und kariertem Hemd vorstellen kann – mit solchen niederen Aufgaben beschäftige, gibt er ansonsten Ruhe… Weil noch Zeit ist fotografiere ich danach noch ein wenig weiter, wird aber nur belangloses Geknipse. Wie wenn man beim Fokussieren etwas über den richtigen Punkt hinausgeht, ab dem es wieder zu unscharf wird.
Selten war mir etwas so klar wie an diesem Morgen. So klar, dass ich einen Moment schniefend auf einer Bank sitze, nicht wissend, ob es Glück oder Traurigkeit ist, was mich weinen lässt.
Wenn ich mir meine vergangenen „Selbstportraits“ so angucke:

sollte es wohl Glück sein.
Im Nachhinein wird mir auch klar, warum ich dieses Bild so gerne mag:
