
Sätze zum Sonntag
Dienstag:
Der Baum vor dem Nachbargebäude, schwarz vor gelb, auf den Frühling wartend.
Die kaputte Jalousie am Bürohaus auf dem Weg zum Parkplatz, als ob sie aufgegeben hat oder einfach müde ist von all der Businesskasperei in ihrem Inneren.
Die blühenden gelben Büsche vor der grauen Wand am Zementwerk, die laut herüberzurufen scheinen „fotografier uns, jetzt sofort!“
Die erste beschriebene Seite im neuen Notizbuch, die mir die Angst vor den vielen leeren Seiten nimmt.
Die Beobachtungen aus Niendorf, die sich auf einmal zu Sätzen formen (lassen).
Mittwoch:
Die Bäume auf dem Weg zum Aldi, die über Nacht explodiert zu sein scheinen.
Das Leergut im Auto, das schon wieder von mir vergessen wurde und jetzt vermutlich leise vor sich hinweint.
Der Abschied von Scheffscheff, der hoffentlich noch kein endgültiger war.
Das krampfige Gefühl in der Brust, als nach dem Update die Homepage zerschossen scheint und das mich daran erinnert, dass ich vorsichtiger sein muss.
Donnerstag:
Das tiefe Durchatmen, das die Brust weitet und den Druck weiter wegschiebt.
Der Waschsalon auf dem Weg zum Pilates, der mich jeden Donnerstag wieder an die erste Zeit in F. erinnert.
Der Hamster, den der Pilatestrainer bei einer bestimmten Übung unter dem Rücken durchlaufen lassen möchte, und der bei mir vermutlich weniger als zwei Zentimeter hoch sein dürfte.
Freitag:
Die Orgelklänge aus der Kirche in W. in mein Ohr huschend an einem lauen Frühlingsfreitagabend, für den Moment wieder Hoffnung machend, dass die Welt doch nicht so schlecht ist.
Samstag:
Das Metallgitter, gegen das ich im September beim Absteigen vom Fahrrad fiel, dessen Härte meinen Rippen noch wochenlang in Erinnerung blieb und das jetzt unschuldig im Sonnenschein steht – verbogen, aber nicht von mir.
Sonntag:
Der Dachboden, der seit Jahren unergründlich scheint, sich aber trotzdem allmählich leert.