Mai 2024 - Oper und Konzerte
04.05.24 – Frankfurt – Händel: Cesar in Egitto: Im ersten Teil war ich nur mittelbegeistert, dachte sogar daran, in einer der Pausen zu gehen, aber dann begann es mich doch zu packen. Schuld waren die beiden Countertenöre: Lawrence Zazzo als Julius Cäsar und noch mehr Nils Wanderer als Tolemeo. Der spielte diesen Bösewicht so hinreißend, dass man ihn nur lieben konnte. Jede Handbewegung, jeder Schritt saß, es war ein großer Spaß. Und dann war da noch Bianca Andrew als Sixtus, die in solche Rollen dermaßen gut passt. Dem Publikum merkte man auch eine steigende Begeisterung an. Es war erstaunlich leer, aber im Nachhinein vermutete ich, dass viele beim Museumsuferfest bzw. bei der Nacht der Museen waren. Es gab dann noch eine zweite Pause, der letzte Teil war kürzer als die anderen, da waren hinter mir auch schon Leute weg, entweder gegangen oder umgesetzt, da konnte ich mich noch ungenierter ausbreiten. Das Orchester war mal wieder ein Traum, Simone di Felice dirigierte ein kleines Orchester mit Originalinstrumenten, dadurch wurde es fast intim und die Sänger:innen mussten sich nicht so verausgaben. Ein toller Abend.
14.05.24 – Frankfurt – L’Arpeggiata: Tolle Musiker, teilweise tolle Stücke, aber zwischendrin wurde es mir zu musicalmäßig. Alle hatten Mikrofone, was ich ohnehin bei klassischer Musik schwierig finde, wenn die Sänger:innen ihre Soli hatten, kamen sie nach vorne und performten dort, das war mir alles zu übertrieben. Der Spieler an der Theorbe (musste gerade mal gucken, was das überhaupt für ein Instrument war, eine überdimensionierte Gitarre), riss ganz am Anfang eine Saite, das schien aber nicht von Bedeutung zu sein, jedenfalls wechselte er sie nicht aus. Das Publikum war sehr begeistert, klatschte irgendwann sogar wie im Musikantenstadl mit. Also: ganz nett, aber muss man nicht unbedingt haben.
20.05.24 – Frankfurt – Tannhäuser: Dann ging es los mit der Ouvertüre, und hinter mir begann eine Frau zu husten. Sie hustete richtig viel, machte sich gar keine Mühe, das irgendwie dezent zu tun, kruschelte sehr laut mit Bonbons, sodass ich reichlich genervt war. Meine Nebenfrau zur Rechten musste sich im ersten Akt immer mal wieder komplett vor mich beugen, weil sie hoffte, vom rechten Rand was sehen zu können. Ich fand weder ihre Frisur noch ihren Nacken, noch ihre Ohrringe besonders schön, aber irgendwann hörte sie zum Glück auf. Der Großteil spielte sich auch ziemlich mittig ab. Ich fand die Vertretung für Tannhäuser (Corby Welch) eher nicht so toll. Auch die beiden weiblichen Hauptrollen Christina Nilsson als Elisabeth und Dshamilja Kaiser als Venus gefielen mir nur so mittel. Spitzenmäßig dagegen waren Domen Krizaj als Wolfram von Eschenbach und Andreas Bauer Kanabas als Hermann. Und das Orchester, so durchhörbar bei aller Wucht. Das Bühnenbild war im ersten Akt ein Hotelzimmer als Innere des Venusbergs, dreimal identisch nebeneinander. In der Mitte war Tannhäuser, rechts und links seine Phantasien, vor allem homoerotischer Art. Corby Welch passte von der Statur und der ganzen Art her überhaupt nicht zur Rolle, wie sie angelegt und in den Videos dargestellt wurde: der junge, smarte Universitätsprofessor in den 60ern, Schriftsteller. Ich hätte sehr gerne Marco Jentzsch gesehen und gehört, der aber leider krank war. Im zweiten Akt war vor allem der Sängerkrieg, in einem Hörsaal dargestellt im Mittelpunkt. Und im dritten Akt waren wir dann wieder im Venusberg. Da sang dann Wolfram aka Domen Krizaj die traumhafte Arie „Oh du mein holder Abendstern“. Wie gut, dass das Publikum bei Wagner keine Chance hat, reinzuapplaudieren. Mir gefiel das Ende besonders gut: auf der Videowand gab es Zeitungsschlafzeilen zu sehen „Heinrich von Ofterdingen tot aufgefunden“. „Elisabeth gewinnt den soundso Preis für ihre Werk“, Elisabeth wurde Professorin und im Schlussbild als alte Frau hochgeehrt, da hatte sie sich also nicht einfach für den doofen Tannhäuser geopfert.