März 2024 - Oper und Konzerte
23.03.24 – Frankfurt – Zemlinsky: Der Traumgörge: … wunderschön, aber irgendwie war ich doch zwischendrin immer mal wieder mit meinen Gedanken woanders. Die Musik war ein einziger Klangteppich, vor allem die Szenen, bei denen Görge am Wasser sitzt, haben mir sehr gut gefallen. Erster Klangeindruck als es losging war: „Mahler“. Die Musikwelt ordnet ihn eher Richtung Wagner ein, auch wegen der Leitmotivik. Die mir beim ersten Hören aber ziemlich entgangen ist. Im Orchester saßen über 80 Musiker:innen, und die waren teilweise ganz schön laut. Vor allem AJ Glückert wurde mitunter ein wenig zu sehr übertönt. Und der hatte sehr viel zu singen, konnte demnach nicht so losbrüllen. Das Bühnenbild war „IKEA Kiefer massiv“, aber mit einer sehr spannenden Linienführung. Im ersten Akt waren im Hintergrund mehrere Ausschnitte (7) in der Wand, durch die Menschen hineinkamen und hinausgingen, auf der Bühne selbst gab es nur einen Tisch, ebenfalls Kiefer massiv, die Linien exakt zu den Linien des Bodens ausgerichtet. Im zweiten Akt gab es hinten nur eine Öffnung und im Raum 12 Bänke, ebenfalls genau auf den Linien des Bodens. Sehr minimalistisch, aber spannend. Die Geschichte lässt Raum für Interpretationen und hat mich seit gestern viel zum Nachdenken gebracht: darüber wie mit Außenseitern umgegangen wird, ob Träumen so „schlecht“ ist usw. Vor allem beim Epilog war dann gar nicht mehr klar, was Traum und was Wirklichkeit ist, aber gerade diese Vielschichtigkeit mag ich ja sehr. Für mich hätte es auch sein können, dass Gertraud vom Mob in Akt und Dorf zwei umgebracht wurde und Görge jetzt wieder nur von der Traumversion träumt. Die Rose, die sie ihm von der Schaukel ganz hinten zuwarf und die im Wasser zu seinen Füßen am Bühnenrand auftauchte, sprach dafür. Auch das Kleid, das wieder der Traumfrau aus Akt 1 ähnelte, spricht dafür. Würde ich mir gerne nochmal anschauen.
29.03.24 – Wiesbaden – Matthäuspassion: Das Konzert war wunderschön, der Chor allerdings teilweise ein wenig langweilig, bzw. das Dirigat. Da hätte ein wenig mehr Kabitz-Pfeffer nicht geschadet. Dafür sang Katharina Maguiera zwar wunderschön, aber ein wenig zu opernhaft für meinen Geschmack. Und sie hätte die Sopranistin beim Duett in Grund in Boden singen können, die hatte nämlich ein zwar schönes, aber sehr zartes Stimmchen. Der Evangelist war die meiste Zeit sehr klar und gut, mit einem Aussetzer gegen Ende, den er aber gut abgefangen hat. Auch Paulus hatte einen Aussetzer, weil das Orchester schneller war, als er gedacht hatte, bei der Wiederholung klappte es aber. Enttäuschend fand ich den „Fahrlich“ Choral gegen Schluss, bei dem es bei Christian immer Gänsehaut gegeben hatte. Der wurde hier nur runtergesungen und verpuffte im Gemenge. Aber ich will nicht nur die negativeren Aspekte rauskehren. Bach und vor allem die Matthäuspassion ist immer wie Nachhausekommen, egal was vorher in einem los war, es wird dann immer alles ganz friedlich. Die Lutherkirche tat noch das Ihre dazu. Und so waren die knapp 3,5 Stunden zwar lang, aber nicht zu lang, und ich freute mich an jeder Arie. Warum ich dann allerdings auf der Rückfahrt den Schlusschor der Johannespassion im Kopf hatte, weiß ich nicht.
31.03.24 – Mainz – Verdi: Otello: Die drei Hauptrollen: Otello, Desdemona und Jago waren stimmlich super, wobei mich vor allem Lauren Margison als Desdemona gefiel. Otello als Rolle: ein eifersüchtiger, blindwütiger Depp, der erst tötet und dann nachfragt. Jago: ein rachsüchtiger Depp, der aber vermutlich genug bestraft ist, weil er als einziger der drei überlebt. Die Inszenierung fand ich zu verkopft. Die Regisseurin Victoria Stevens hatte ihre eigene Geschichte und die der Apartheid in Südafrika mit reingebracht, wo ich mich mehrfach fragte „hä?“. Warum patschten die da ewig im Wasser rum, was sollte dieses schräge Haus in den ersten Akten, warum klettert Jago aufs Dach und wütet da rum? In Frankfurt ist es meist so, dass sich mir Dinge von selbst erschließen, es gibt verständliche Gründe, warum etwas so und nicht anders inszeniert ist, hier hatte ich das Gefühl, dass der Oper etwas aufgepfropft wurde, was aber eher wie ein Furunkel war. Vermutlich tue ich der Inszenierung damit Unrecht, die FAZ hatte sie als mutig gelobt. Vielleicht bin ich auch nur zu blöd oder zu ignorant.