
Kafka
Ende Januar in Prag. Die feuchtkalte Luft hat den Schnee der vergangenen Tage zu eisigen Hügeln am Strassenrand zusammengeklumpt. Im Cafe „Kafka“ sitzen vier Menschen um einen Tisch vor halbvollen und halbleeren Tassen mit ehemals heissen Getränken. „Was sollen wir jetzt tun?“ fragt der mit den müdesten Augen schliesslich verzagt und bricht damit das minutenlange Schweigen. Keine Antwort, nur Blicke, die über den Tisch hin- und herwandern aber jedem direkten Augenkontakt ausweichen. Der mit der Schniefnase seufzt und bewegt die Schultern, sei es um ein Achselzucken anzudeuten oder eine Verspannung zu vertreiben, die übrigen beiden reagieren gar nicht sicht- oder hörbar. Wieder vergehen Minuten, die sich im hilflosen Warten ins Unendliche dehnen.
„Also ich gehe jetzt“ Das ist wieder Müdauge, der das Schweigen und Nichtstun nicht länger erträgt. „Zahlt einer für mich mit?“ Ohne eine Antwort abzuwarten nimmt er seinen Rucksack, zwängt sich durch die eng zusammenstehenden Tische, trifft dabei fast einen Gast an einem der Nachbartische mit dem Rucksack an der Schulter und erreicht schliesslich die Tür.