Juni 2024 - Oper und Konzerte

09.06.24 – Essen – Puccini: Il Trittico: Erste Oper „Il Tabarro“, mit Antonello Palombi, der ja der Hauptgrund für meinen Ausflug gewesen war, packte mich nicht wirklich. Das Bühnenbild: eine Wasserfläche, darüber ein Balken Licht, der farblich je nach „Tageszeit“ wechselte, von Sonnenuntergang zu blauer Stunde zu Mondlicht, etc. Darüber ein großer Spiegel, der zeitweise abgedeckt war, zeitweise das tat, wofür er Spiegel geworden war. Die Sänger latschten immer nur im Wasser hin- und her, es blieb irgendwie ein wenig jeder für sich (was ja irgendwie auch stimmig ist zum Inhalt), wenig Interaktion, und auch die Stimmen waren nicht so, dass ich so gebannt war, wie ich es erhofft hatte. An diesem Abend wäre ich kein Fangirl von Antonello Palombi geworden. Die Musik selber, vor allem der Anfang kriegte mich dagegen wieder sofort, das sind Klänge, die sich irgendwie eingebrannt haben, wie aus den beiden anderen Opern auch bestimmte Klänge. Spannend war, dass „Suor Angelica“ direkt in „Il Tabarro“ überging, man hörte schon die ersten Gesänge der Nonnen, als die anderen drei noch auf der Bühne waren. Die „Leiche“ Luigi stand dann einfach auf und ging langsam raus, wie die anderen beiden auch. Von oben kamen weiße Vorhänge herunter, die das Kloster darstellen sollten, die Wasserfläche blieb, ohne den Lichtbalken aber mit Spiegel. Und da hat es mich dann zerlegt. Ich habe glaube ich schon mal Tränchen verdrückt in der Oper, aber so geflennt wie da habe ich noch nicht. Jessica Muirhead war so überwältigend, gefühlvoll, mitreißend. Einzig die böse Tante war nicht so böse, wie in Frankfurt oder Wiesbaden (und die Stimme auch nicht so toll). Als am Schluss der Vorhang zerriss während Suor Angelica starb, war das ein echter Gänsehautmoment. Danach war zum Glück (lange) Pause. Zeit aufs Klo zu gehen (keine Schlangen), rumzugehen, Jessica Muirhead auf Instagram zu suchen und ihr zu folgen. Danach Gianni Schicchi. Und wieder war ich so froh über die „richtige“ Reihenfolge. Jetzt war das halbe Becken abgedeckt, als Gartenzimmer am Pool, durchsichtige aufblasbare Plastiksessel waren das Mobiliar, aus denen immer mal jemand rauspurzelte oder umkippte. Sehr nett, und gerade die Szene als der Notar mit den Zeugen kommt und quasi über den echten toten Onkel stolpert, der immer noch da rumliegt, musste ich doch sehr kichern. Gianni Schicchi hat für meinen Geschmack viel zu schön gesungen, das war kein sterbender Onkel, aber insgesamt: Meckern auf hohem Niveau.

25.06.24 – Elbphilharmonie Hamburg – Vikingur Olafsson: Nachdem ich in Frankfurt im Oktober beim offiziellen ersten Konzert seiner Tournee gewesen war, aber wenig mitbekommen hatte -dank des zu-en Ohres nach der Mittelohrentzündung, unvergessen auch mein unterdrückter Hustenanfall… Jetzt also Hamburg, das offiziell letzte Konzert der Tournee. Apropos Husten: Sofort nach der Ansage, dass man doch Handyklingeln und Husten unterlassen sollte, ging es mit der Husterei los – zum Glück nicht bei mir. Überhaupt war es auch sonst zwischendrin relativ laut, mehrfach klingelte irgendwo weit weg von mir ein Handy, irgendwer soll wohl auch die Fußballergebnisse gecheckt haben, stand in einer Kritik vom NDR, Vikingur Olafsson machte auch einmal kurz Pause, bis es wieder still war. In meiner Gegend war es allerdings sehr ruhig, ein sehr konzentriertes und interessiertes Publikum. Und ihn spielen zu hören und zu sehen war auch toll. Trotz der Entfernung konnte ich seine Hände sehen, wie sie oft überkreuz über die Tasten huschten. Und die Musik war ein Traum. So richtig wurde mir das erst hinterher klar, als ich die ganze Nacht immer noch Töne im Ohr hatte. Es fühlte sich an, als ob er einerseits befreit war, nach dieser Mammuttournee, andererseits aber auch ein wenig traurig, weil es vorbei war. Nach den letzten Tönen war einige Sekunden komplette Stille, bis der Applaus losbrauste, sehr viele standen auf, klatschten begeistert. Keine Zugabe, das hätte auch nicht gepasst, dafür sprach er kurz darüber, dass Hamburg neben Reykjavik die einzige Stadt war, in der er dreimal gespielt hat, und dass Hamburg sowas wie seine Heimat abseits seiner Heimat ist. Und ich bin froh, dass ich hier schon wieder ein Ticket, diesmal wieder in Frankfurt, hängen habe.