Juli 2024 - Oper
05.07.24 – Mainz – Richard Strauss: Der Rosenkavalier: Von den Sängern war ich total begeistert, allen vor Verena Tönjes als Octavian und Nadja Stefanoff als Feldmarshallin. Auch der Baron Ochs (Derek Ballard) war sehr gut, vor allem schauspielerisch. Die Inszenierung hat mich nur so mittel überzeugt. Muss das so klamottig werden? Ich weiß nicht mehr, wie es in Wiesbaden damals war, aber ganz so „lustig“ hatte ich es nicht in Erinnerung. Eher dramatisch, weil die Feldmarschallin über ihr Alter nachdenkt, darüber dass sie den „Bub“ doch eh verlieren wird und die Größe, mit der sie ihn schließlich freigibt, weil sie will, dass er glücklich ist. Nach dem klamaukigen zweiten Akt war der dritte dann wieder vor allem zum Schluss hin dramatisch, musikalisch wunderschön und dezenter. Zur Inszenierung fragte ich mich dann wieder, was die komischen Gestalten auf der Bühne sollten: am Anfang der Vogel, der das Frühstück brachte, die Bediensteten waren überhaupt sehr merkwürdig verkleidet. Die vom Baron von Ochs z.B. mit Lederhosen und Elvisimitatfrisur. Häh? Dass der Baron nicht die hellste Kerze auf der Torte ist, weiß man auch so, dazu braucht er keine tumben Gesellen an seiner Seite. Aber es sollte wohl lustig sein.
07.07.24 – Darmstadt – Händel: Alcina: Bunt und glitzernd, leicht und fröhlich, und dann dramatisch, und Alcinas Insel wurde zerstört. Die Stimmen haben mich nur mittel begeistert, aber das Orchester und vor allem der Dirigent! Alessandro Quarta. Leider bin ich erst gegen Ende des ersten Teils auf ihn aufmerksam geworden, da tanzte er richtiggehend, dirigierte mit dem ganzen Körper ein übrigens sehr junges und wunderbar spielendes Orchester. Danach konnte ich meine Augen nur noch schwer von ihm losreißen. Musste ich aber, denn auf der Bühne passierte auch so viel. Nur wer wen liebt und warum nicht mehr habe ich irgendwann aus den Augen verloren. Die Namen standen dankenswerterweise bei den Übertiteln dabei, sonst hätte ich noch weniger Überblick gehabt. Viel verdienter Beifall zum Schluss.
14.07.24 – Frankfurt – Halevy: La Juive: Wunderschöne Musik, ans Herz gehende Arien – vor allem die von Eleazar ziemlich zum Schluss, wo er damit hadert, dass er einerseits Rachel als Baby gerettet hat, sie jetzt aber – weil er sie dadurch zur Jüdin gemacht hat – ans Messer bzw. das kochende Wasser liefert. Sehr vielschichtige Personen, auch Rachel, die ihren Geliebten verrät, nicht wegen seines Glaubens, sondern weil er mit der Prinzessin verlobt ist und vor allem ihr nichts davon gesagt hat. Die sich retten könnte, wenn sie sich taufen ließe, es aber aus Stolz nicht tut. Und auch Kardinal Brogni, der damals die Söhne von Eleazar töten ließ, immer noch um die verlorene Tochter trauert, die er dann selbst in den Tod schickt. Die Sänger waren alle großartig, John Osborn bekam einen großen Szenenapplaus nach der o.g. Arie, wobei ich mir wieder Tränen wegwischen musste. Auch der Schlussapplaus war gigantisch, relativ gleich für alle Hauptpartien, abgesehen von Ambur Braid / Rachel und John Osborn, da war es deutlich mehr.