Januar 2024 - Oper

(relativ unsortierte Gedanken aus meinen Aufzeichnungen, die ich jetzt nicht weiter aufhübsche, liest ja vermutlich eh außer mir niemand)

13.01.24 – Oper Frankfurt – Verdi: Aida: Es war nett. Nicht mehr und nicht weniger. Ich stellte fest, dass Verdis Musik teilweise wunderschön ist, aber die Inszenierung hat mich nicht vom Hocker gerissen. Sie ist von Lydia Steier, und auch wenn ich das nicht vorher gelesen und gehört hätte, wäre mir die Ähnlichkeit bestimmter Motive zu „Iolanta“ sofort aufgefallen. Aber Iolanta hat mich damals geflasht, Aida dagegen nicht. Es war dann doch relativ viel Holzhammer, was das Thema „Krieg“ anging. Vor allem die Luftangriffsgeräusche im dunklen Saal in der Umbaupause zwischen dem ersten und zweiten Akt. Als ob sich jemand überlegt hatte, was könnte denn laut genug sein, um die Umbaugeräusche zu übertönen. Ich stelle mir vor, dass da Ukrainer im Saal sitzen / saßen, und ich glaube Judith von Sternburg schrieb auch in ihrer Kritik, dass das die Grenzen des guten Geschmacks überschreiten würde. Es gab auch erstaunlich wenig Szenenapplaus, wo doch sonst nach jeder Arie geklatscht wird. Also Fazit: Verdi gerne wieder, gerne mehr. Aber diese Aida brauche ich auch nicht nochmal.

24.01.24 – Mainz – Der kleine Horrorladen – eher ein Musical als eine Oper, aber ich ordne es trotzdem mal hier ein. Ganz nett, aber sicher kein „au ja, nochmal“

27.01.24 – Oper Frankfurt – Richard Strauss: Salome: Es war wieder faszinierend, ich liebe diese Musik so sehr. Ambur Braid war toll, auch Nicholas Brownlee als Jochanaan. Und AJ Glueckert spielte nur szenisch, gesungen wurde Herodes von einem ganz tollen Tenor Thomas Blondelle. Diesmal passte beides. Ich guckte so fasziniert die ganze Zeit hin, dass ich gar nicht merkte, wie die Zeit verging. Und ich bewunderte wieder diese minimalistische Inszenierung, die ohne jedes Bühnenbild funktioniert, nur mit schwarzem Raum und Licht. Und wie gut das Spiel der Sänger dabei herausgearbeitet wurde. Besonders bei Salome, Jochanaan und Herodes. Großer Beifall zum Schluss. Mein erstes Jahreshighlight

31.01.24 – Mainz – Weinberg: Die Passagierin: Es war sehr beeindruckend, zu Herzen gehend, stumm machend. Der Beifall am Ende war irgendwie fehl am Platz, aber natürlich klatschten dann doch irgendwann alle. Das Bühnenbild war sehr grau, teilweise mit Vorhang und Schaukästen, zeitweise Luxusschiff, dann wieder KZ, und manchmal auch beides gleichzeitig. Die Musik war sehr vielschichtig und abwechslungsreich, ein Bach-Stück wurde verwendet, Tanzmusik, Volkslieder. Vor allem ein A-Capella Lied einer russischen KZ-Insassin ging sehr ins Herz. Krass, wie der Mann der ehemaligen Aufseherin nicht von der Ungeheuerlichkeit der Tatsache an sich umgehauen wurde, sondern wie ihn nur seine gefährdete Karriere interessierte. Krass, wie die Aufseherin gar nicht verstand, was sie falsch gemacht haben sollte, sie hatte ja nur ihre Pflicht getan, war Befehlen gefolgt, hatte im Gegenteil vieles getan, um es den Mädchen, in erster Linie natürlich Marta leichter zu machen. „Warum sind sie nicht dankbar?“, sagte sie an einer Stelle. Eher grenzwertig fand ich die SS Schergen, die mit komischen Frisuren und Uniformen auf dem Klo sitzend gezeigt wurden. Weiß jetzt nicht, ob das die Inszenierung war oder die Oper an sich. Es wirkte jedenfalls noch lange nach, auch die Tatsache, dass die Aufführung dieser Oper in der heutigen Zeit aktueller ist denn je. Konnte ja beim Auf-den-Spielplan-Setzen noch keiner wissen. Andererseits ist sie vermutlich immer aktuell und wichtig, sollte – wie Judith von Sternburg schrieb – an allen Opernhäusern rauf und runter gespielt werden. Ist halt nichts zum Lachen und Freuen, aber das ist ja auch nicht immer der Sinn und Zweck von Kunst. Zweites Jahreshighlight, das auch jetzt, wo ich diesen Beitrag schreibe (Dezember 24) nachwirkt.