
Die Turnhose oder: im Garten der Kindheit
Ich erinnere mich an den Garten, der im Laufe der Jahre viele Veränderungen verpasst bekam. Er begann als Obst- und Gemüsegarten, und gerade in den ersten Jahren war er ein wichtiger Faktor zur Nahrungsmittelversorgung der Familie. Gladiolen, an die erinnere ich mich. Oder an die Stachelbeersträucher, vor allem den einen mit den leicht rosigen Stachelbeeren, die so viel leckerer schmeckten als die normalen grünen. An die Erbsen und Bohnen, die Gurken, die Tomaten. Auch Erdbeeren gab es, die waren natürlich das Beste am ganzen Garten.
Dann wurde es zu viel Arbeit für die Eltern, das Eingekochte stapelte sich sowieso im Keller und wurde weniger und weniger gegessen. Stattdessen gab es Obst und Gemüse aus dem Supermarkt. Und für uns Kinder erst eine Sandkiste, später eine Schaukel. Bei diesen Bauarbeiten entstand glaube ich auch das obige Bild.
Die Obststräucher wurden entfernt, die Beete ebenso, stattdessen gab es Rasen. Auf dem durften wir spielen, zelten, Radschlagen und Purzelbäume üben oder das Planschbecken aufbauen. In den Gärten der Nachbarskinder war nicht so viel Platz – oder die Eltern waren besorgt um den dortigen Rasen, somit waren wir oft bei uns zum Spielen.
Noch später – da waren wir aber schon gross – wurde der Garten zum Ziergarten, da hatten die Eltern wieder mehr Zeit und vor allem Spass am Rumpusseln im Garten.
Aber das hat mit der Turnhose natürlich nur am Rande zu tun…
Die trug man damals so: bis fast unter die Achseln gezogen. Mai 1964, da war ich zweieinhalb, der Bruder gerade geboren. Das Lächeln sieht man von mir so ähnlich noch auf einigen anderen Bildern: Die Augen ein wenig zugekniffen, vermutlich blendete die Sonne, ein wenig schüchtern aber dennoch fröhlich und offen. Die blonden Locken sind bald danach dunkler geworden, die Haare glatter. Auf diesem Bild sehe ich Kinderbildern meines Vaters sehr ähnlich.
Wenn ich an diese Sommer zurückdenke, fallen mir viele Momente wieder ein:
Das gemeinsame Abendessen, wenn man erschöpft und sonnenmüde wieder reinkam. Bananenbrote, also Schwarzbrot mit Bananenscheiben drauf. Radieschen. Pfefferminztee. Der selbstgemachte Apfelmost, den es bei C. immer gab. Knäckebrot mit Butter und Salz. Der schnell aus der Flasche getrunkene Schluck Cola, die ja eigentlich verboten war (und bei dem man natürlich unweigerlich erwischt wurde)
Auf der Luftmatratze im Garten liegen, wobei die Matratzen nie dauerhaft die Luft hielten, immer mussten sie irgendwo geflickt werden. Das Zeltzubehör, das später zu Indianer- und Cowboyspielen verwendet wurde. Die Zinkbadewannen, in denen wir draussen planschten, bevor es das Planschbecken gab. Der Geruch von frischgemähtem Gras. Die Rinde, die man stundenlang von den Birkenstämmchen hinten im Wäldchen puhlen konnte. Das Gefühl des Rasens unter den nackten Füssen, aber auch die heissen Gehwehplatten, auf denen man nur hopsen, nicht aber stehenbleiben konnte. Die Nächte bei weit offenem Fenster, in der Ferne ein grummelndes Gewitter. Morgens flogen die Schwalben ein- und aus, bevor die Fenster wieder für den Tag geschlossen wurden.
Die Stille, die man damals gar nicht so schätzen konnte, weil man es nicht anders kannte, die ich mir heute aber oft zurücksehne.
Und schon wieder hat der Text nichts mehr mit der Turnhose zu tun…