Aufgeben ist keine Option

Und dann denkt man, die Welt ist nur noch grau in grau, alles ist rechteckig und abgegrenzt und geht immer so weiter bis ans Ende von was auch immer. Da hilft auch der schönste Sonnenschein nicht, alles ist und bleibt doof, keiner versteht einen und keiner hat einen lieb.

Die Stimme der Vernunft und der Verstand sagen einem dauernd „das wird schon wieder, du hast schon viele düstere Zeiten überstanden, auch diese Phase geht vorüber, und immerhin, du hast so viele Punkte auf der Habenseite zu verbuchen und schon so viel geschafft. Aufgeben ist sowieso keine Option, denk nicht mal dran“. Klar haben sie recht, bei Tageslicht sowieso. Aber nachts zwischen drei und vier oder an Sonntagnachmittagen oder, oder, oder glaubt man nicht mehr wirklich dran.

Den dunkelsten Moment erkennt man immer erst, wenn er vorbei ist, manchmal nicht mal dann. Da kann das Ende des Tunnels und das dazugehörige Licht noch so nah sein, weder sieht man es noch glaubt man überhaupt an dessen Existenz. Ok, auch das sind immer nur Momente, die Vernunft übernimmt dann meist schnell wieder das Ruder, und in solchen Zeiten bin ich auch immer sehr froh, dass es sie gibt, aber sie kommen einem vor wie kleine Ewigkeiten. Es gäbe theoretisch so viel zu tun, so viele sinnvolle, spannende, lustige, einen voranbringende Dinge warten darauf gelesen, entdeckt, getan zu werden, aber nichts macht Spass, nichts kann einen wirklich verlocken, den Vorhang in fiesestem Dunkelanthrazitgrau beiseite zu schieben und wieder zu leben. Nicht mal die dringend zu erledigende Steuererklärung.

Und dann, genauso unerwartet und fast aus heiterem Himmel wird es wieder besser. Erst ist es nur ein vorsichtiges Lächeln, das einem mehr oder weniger unabsichtlich entschlüpft, dann ein Gedanke, der das Herz zum Hüpfen bringt, wenigstens für einen kurzen Augenblick. Dann werden diese Augenblick länger und länger, die Dunkelheit weicht zurück.

Jedesmal wieder bin ich froh und dankbar. Dass es den Morgen danach gibt, dass ich ihn erkenne, dass ich nicht aufgegeben habe, dass es irgendwie natürlich sowieso immer weiter geht. Und dass ich diese guten Zeiten so bewusst wahrnehme und wertschätze. Sie sind ganz und gar nicht selbstverständlich, und vielleicht wäre mir das ohne die düsteren Zeiten dazwischen auch gar nicht so klar.

Danke lieber Gott oder wer auch immer dafür verantwortlich ist.